Die Herbstgesprächsreihe Oberes Volmetal

Als Leitthema steht in diesem Jahr:

Papst Franziskus - Zeichen der Hoffnung und des Aufbruchs

 

 

Am 5. November war der dritte Abend in der Herbstgesprächsreihe in St. Josef mit Michael Huhn, Leiter der Projektabteilung beim katholischen Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat. Er gab Einblicke in die vorrömische Zeit von Papst Franziskus. 

Das Leben von Papst Franziskus, seine Wurzeln und sein kultureller Hintergrund, das war das Thema des letzten Abends in der Herbstgesprächsreihe des oberen Volmetales im Gemeindehaus St. Josef. Referent war Michael Huhn, Historiker und Leiter der Projektabteilung beim katholischen Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat.

   Michael Huhn nahm die vorrömischen Jahre von Papst Franziskus unter die Lupe. „Diese Jahre haben ihn bestimmt“, begann er. Seine Eltern kamen von Italien nach Argentinien. Lange Zeit zählte Argentinien zu den zehn reichsten Ländern der Welt. Papst Franziskus selbst, damals hieß er noch Jorge Mario Bergoglio, begann als junger Mann eine Ausbildung als Chemietechniker. In diesem Beruf arbeitete er einige Jahre, bis er sich entschloss, Theologie zu studieren. Schon bald schloss er sich den Jesuiten an, da ihm die Spiritualität dieses Ordens zusagte. 16 Jahre dauerte seine Ausbildung. Er studierte während dieser Zeit Philosophie, Theologie und Sozialwissenschaften. Ein Schlüssel in seiner Ausbildung waren die Exerzitien, in denen er mit Fragen zu sich selbst konfrontiert wurde. „Was will ich?“, „Was sind meine Stärken und was meine Schwächen?“, waren Fragen, mit denen er sich auseinander setzte. Schon bald nach seiner Priesterweihe, wurde er der Leiter der argentinischen Provinz des Jesuitenordens. Theologisch geprägt wurde er von Lucio Gera, dem Begründer der „Theologie des Volkes“, einer argentinischen Variante der Befreiungstheologie. Argentinien selbst machte eine schwere Zeit durch. Mal wurde es demokratisch regiert, dann kamen Diktatoren an die Macht und dann auch die Militärjunta. „Es war eine sehr schlechte Zeit“, informierte Michael Huhn. „So wurde die Kirche in Argentinien eine Kirche der Märtyrer.“ Papst Franziskus wurde 1992 Weihbischof und 1998 Erzbischof von Buenos Aires. Schon damals war es seine Art, auf die Menschen direkt zuzugehen. Als er hörte, dass es einem seiner Priester in den Armenvierteln sehr schlecht ging, weil dieser Schwierigkeiten mit den örtlichen Drogenkartellen bekommen hatte, machte er sich auf den Weg zu ihm. Er bot ihm an, bei ihm zu wohnen und ihn zu entlasten. Er übernahm für ihn Krankenbesuche, Kommunionunterrichte und weitere Tätigkeiten. „Auf Menschen zuzugehen, mit ihnen zu sprechen, sich Zeit für sie zu nehmen, das hat Papst Franziskus damals schon ausgezeichnet“, so Michael Huhn.

  „Was glauben Sie, was der Papst bewegen wird, kann man das einschätzen?“, war eine Frage aus der Gruppe der fast 30 anwesenden Frauen und Männer im Gemeindehaus. „Es ist ein mühsames Geschäft“, versuchte Michael Huhn die Frage zu beantworten. „Seine Mitarbeiter sind die alten. Er kann nicht von heute auf morgen das Kirchenrecht ändern und auch die römischen Abläufe auf den Kopf stellen. Papst Franziskus in ein Mann der Gesten. In Argentinien werden die Gesten eher verstanden, während wir in Deutschland eher in Texten denken“, gab Michael Huhn zu bedenken. 

 

29. Oktober 2014 in St. Marien in Meinerzhagen

Referent: Bruder Augustinus Diekmann, Leiter der Franziskaner-Mission in Dortmund, berichtete über seine Erfahrungen als Missionar in Brasilien.

 

  Den zweiten Abend dieser Reihe gestaltete Bruder Augustinus Diekmann aus Dortmund, der dort Leiter der deutschen Franziskaner-Mission ist. Franziskaner wurde er, weil sie auf mich sehr natürlich, sehr menschlich wirkten und einen Sensus für soziale Fragen hatten, berichtete er. 

  „Viel über unseren Papst sagt auch seine Wahl des Papstnamens“, so Bruder Augustinus Diekmann. „Als sich abzeichnete, das Papst Franziskus die meisten Stimmen bekommen würden umarmte ihn der ehemalige Erzbischof von Sao Paolo, Claudio Hummes, und sagte zu ihm ‚Vergiss die Armen nicht‘.“ Das war der Anstoß, dass der damals noch Jorge Mario Bergoglio heißende Jesuit sich den Namen eines Franziskaners gab: Franziskus. Aus Papst Franziskus wurde mit dem neuen Namen jedoch kein neuer Mensch. Schon vorher war er ein Priester für die Armen gewesen. Er besuchte sie in Argentinien in ihren Slums oder aß mit ihnen in den Suppenküchen. Dieses Tun setzte er fort, als er Papst war. Er besuchte die Flüchtlinge auf der Insel Lampedusa und forderte, dass die sozial auseinander klaffende Schere zwischen den Menschen kleiner werden muss. „Der Kardinal der Armen“, so wurde Papst Franziskus immer schon genannt.

  Die Menschen in Brasilien sind sehr arm und ihnen wird versucht mit vielen Projekten zu helfen. So werden die Kinder von den Straßen und sie in Schulen geholt. Damit einher geht eine einheitliche Schulkleidung und ein gemeinsames Essen. „Gäbe es die Kleidung und das Essen nicht, so würden nur wenige Kinder zu uns kommen“, erklärte Bruder Augustinus Diekmann. „Oft ist die Kleidung der Kinder so verschlissen, dass sie sich schämen zu kommen und bekämen sie bei uns nichts zu essen, würden sie auf die Straße gehen und Geld verdienen, für eine Mahlzeit.“

  

 

22. Oktober um 19:30 Uhr in St. Christophorus/Valbert

Rückkehr zum Evangelium - Elemente einer franziskanischen Spiritualität.

Referent: Pater Ralf Preker, Leiter der Wallfahrt Werl

 

Pater Ralf wurde 1948 geboren, ist seit 1967 Franziskaner und erhielt seine Priesterweihe 1974. Danach war er einige Jahre in der Gemeinde-Seelsorge tätig, war 13 Jahre Ausbildungsverantwortlicher für die jungen Franziskaner und zeitgleich Mitglied der Ordensleitung der westfälischen Franziskanerprovinz. Seit 1995 ist er Guardian (Hausoberer) in verschiedenen Konventen, wie Paderborn, Bad Tölz, Werl und seit 2008 in Werl auch noch Wallfahrtsleiter.

Mit 30 Frauen und Männern waren es erstaunlich viele Besucher, die etwas mehr über Papst Franziskus erfahren wollten, der wohl nicht ohne Grund sich gerade den Heiligen Franziskus als Namensgeber für sich ausgesucht hatte. „Wenn der Kirche heute nicht der Tod angezeigt wird, so wird ihr bescheinigt, dass sie in den letzten Zügen liegt“, begann Pater Ralf auf das Thema einzugehen. Auch heißt es: Die Kirche ist das Grab Gottes. Vielen Gläubigen ist die Kirche eine Zwangsjacke geworden. So erlebte es der Heilige Franziskus zu seiner Zeit. Viele Christen wandten sich von ihr ab und versuchten ohne sie zu leben. Bei einem Gebet vor dem byzantinischen Kruzifix in der Kirche San Damiano unterhalb von Assisi sprach auf einmal Jesus zu Franziskus. „Franziskus, geh und baue mein Haus wieder auf, das, wie du siehst, ganz und gar in Verfall gerät.“ Franziskus nahm diese Aufforderung wörtlich und besorgte sich Baumaterialien, um die verfallenen Kirchen wieder aufzubauen. Dass es darum aber nicht ging, ging ihm zwei Jahre später auf. Das Evangelium ernst zu nehmen und die Kirche zu erneuern, das hatte Jesus gemeint. Franz von Assisi lässt sich vom Papst seine Ordensregeln bestätigen, die die Kirche als Hüterin des wertvollsten Schatzes ansieht, des Evangeliums. Er holte die römische Kurie mit ins Boot und mit seiner aktiven Demut provozierte er die Amtsträger. Das klappte nicht im ersten Anlauf, doch irgendwann hat er Erfolg. 

  Dieses Leben des Heiligen Franziskus mit seiner Rückkehr zum Evangelium und der Bescheidenheit, die er für sein Leben gewählt hatte, inspirierten wohl Papst Franziskus, dieses Namen zu wählen, der auch Programm ist. Vielleicht hat er erkannt, dass Kirche und das Evangelium sich auseinander entwickelt haben und möchte, wie der Heilige Franziskus damals, beides wieder zusammen führen.

 

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